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Binsenweisheiten

„Nein, leben kann man davon nicht", antworted lachend der Stuhlflechter Hans Hermann Meyer auf die Fragen unserer Besucher der Käseglocke, „das ist mein Hobby". Die Freunde Worpswedes hatten ihn gebeten, beim Tag des Offenen Denkmals 2015, unter dem Motto „Handwerk", sein traditionelles Können zu demonstrieren. Seine Motivation ist, das alte Handwerk fortzuführen und es in der Region zu erhalten. Noch vor dreißig Jahren gab es hier mehrere, die diese alte Handwerkskunst beherrschten, die Sitzflächen der traditionellen „Worpsweder Stühle" und vor allen Dingen die von Heinrich Vogeler und Bernhard Hoetger entworfenen Stühle und Sessel beflochten. 

Hans Hermann Meyer bei der Arbeit

 


Georg Keppel

Aus der Zufalllsbekanntschaft mit dem letzten seiner Zunft, dem Worpsweder Stuhlflechter Georg Keppel, der im Hause des Kupferdruckers Herbert Jaeckel, seine Werkstatt hatte, wurde sein Interesse an dieser Tätigkeit geweckt, und er „ging bei ihm in die Lehre". Nun ist er der „Letzte" und er hat Freude daran, Stühle, bei denen die Binsensitze in Laufe der Jahre verschlissen sind, insbesondere an der Vorderkante, zu reparieren, d. h., zu Erneuern, denn nur Ausbessern ist nicht möglich.
Das wird klar, wenn man die Herstellungsweise kennt: Das Geflecht besteht nur aus einem einzigen Strang, den man nicht mittendrin an Bruchstellen einfach auswechseln kann.
Hans Hermann Meyer aus Tüschendorf zeigte unseren Bersuchern wie das geht: am Vortag werden die Binsen angefeuchtet, damit sie geschmeidig sind. Heute verwendet man keine heimischen Binsen mehr, diese sind sehr kurz, das Material kommt vorwiegend aus Osteuropa und Schleswig-Holstein.

 
Die eigentliche Arbeit beginnt direkt am Stuhlsitz. Aus einen kleinen Bündel der Stengel wird durch Drehen ein stabiles Seil geformt und neue Halme werden eingesteckt und durch sofortiges Drehen fixiert. Durch weiteres Einspleißen und ständigem Drehen wird das Seil verlängert bis es über den Sitz gezogen werden kann.
Mit unterschiedichen Längs- und Querlagen können auch verschiedene „Muster" erzeugt werden.
Das ständige Drehen ist harte Fingerarbeit und sehr anstrengend, für einen Sitz braucht der Flechter etwa einen ganzen Tag.


(pe)